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Veröffentlicht am 19.02.2016 von nemesis

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Der Rock und das Kino – oder wer ist der Feind? Ein Kommentar

Nicht nur Musik, Bücher und die liebe Umwelt können inspirierend sein, auch die Kinolandschaft hält oft ihre Zuckerl bereit. So vor einigen Jahren Zeit mit dem Kassenschlager Almost Famous. Groupies und Band-Aids hin oder her, verrückte Musiker und herzerweichende Ausbrüche von Ehrlichkeit angesichts eines drohenden Flugzeugabsturzes… unterhaltsam gemacht mit einem zwinkernden Einblick in die glitzernde Musikwelt. Ein tolles Beispiel für das Auftauchen der Rockmusik ebenso – Rock Of Ages.

Wieviel Wahrheit steckt drin

Nun, so glitzern tut der gute alte Rock´n´Roll nicht mehr, aber Parallelen können durchaus gezogen werden. In den letzten Monaten wohl mehr als zuvor. Die Almost Famous- Movie-Band Stillwater hat einen kurzen und, wenn man sich auch die heutige Musikmedienlandschaft ansieht, ab und an treffenden Ausdruck für die schreibende Zunft:

Der Feind. Eigentlich feindet sich manchmal alles an allen Ecken und Enden an: Die Fans, die Kritiker, weil Band XY mal wieder weniger als eine Waschmaschine gewonnen hat, die Kritiker die Bands, die Bands die Kritiker… netter Kindergarten, der ganz unterhaltsam sein mag, die Szene aber absolut nicht weiterbringt. Die Musik wird laut und barsch, die Sonne scheint uns aus dem … Guckt man sich die einschlägigen Magazine der Rockwelt mal genauer an, macht sich immer mehr das Gefühl breit, so manchem sei die Freude an seinem Geschreibsel verloren gegangen.

Wenn nicht pro Monat mindestens die Hälfte der Bands verrissen werden kann, geht´s einem nicht gut. Klar, wenig Zeit für zu viele CDs. Aber muss man dann gleich die Augen verdrehen, nur weil die Band wieder mal aus Italien kommt, wieder mal Helloween als persönlichen Fave nennt oder Dokken während der glorreichen eigenen Windelära rauf und runter gehört hat? Würde sich die Rock- und Metal-Welt nur mit einer Hand voll Bands präsentieren, würden alle meckern und jammern, wie schlecht es doch um die ach so geliebte Mucke steht. Und vor allem:

Noch Spaß am Job?

Dann hätte man als Hörer von den runzligen fünfzig aufzutreibenden CDs wirklich irgendwann die Nase voll. Hat man einen Narren am Sound von etwa Priest gefressen und fühlt sich mit dieser Musik voll in seinem Element: Was ist so verkehrt daran, danach `ne Platte von einer stilistisch ähnlich gelagerten Band zu hören? Sind es nicht gerade die Journis und die Musiker, die Musik immer als Droge bezeichnen? Wenn dem so ist, kann man auch nicht genug davon bekommen und dann haben wir als Schreiberlinge die verdammte Pflicht, den Käufern ihren Sound selbst aussuchen zu lassen anstatt blödsinnige Phrasen wie „diese Scheibe braucht kein Mensch“ abzulassen. Handelt es sich ganz klar um Fanverarsche oder absolut inkompetent und handwerklich ultragrottenschlechten Sound, ganz klar, dann muss das auch gesagt werden.

Nix gegen Meinungsfreiheit und ehrliche Kritik – dumpfbackige Schönrederei braucht auch niemand. Nur ist eben auch eine gewisse Neutralität gefragt, die man als Leser doch oft vermisst. Für einen Leser ist es nun in erster Linie interessant zu wissen, welchen Stil eine Band präsentiert, wie die Songs an sich aufgebaut sind, wie die Produktion ist, aber ist es nicht Sinn der Sache, am Ende eines Review mit drei Fragezeichen im Gesicht dazustehen, sich zu fragen, welchen Stil die besprochene Band nun an die Leute bringt, aber andererseits zu wissen, dass der Rezensent die Scheibe nicht mag. Selbstdarstellung par excellence.

In Stein gemeißelte Urteile oder – wo bleibt die Objektivität?

Aber eigentlich will man als Leser doch eher Infos haben. Gerade die Rock- und Metal-Szene lobt sich und ihre Käuferschicht doch angesichts der angeblichen Selbstbestimmtheit und eigenständigen Entscheidungsfähigkeit so hoch in den Himmel. Dann sollte man es auch dem Konsumenten selbst überlassen, ob ihn die angesprochene Scheibe nun interessiert oder nicht. Um ehrliche und konstruktive Kritik ist jede normale Band froh und auch dem Leser sollte hier reiner Wein eingeschenkt werden. Aber derartige Kritikpunkte oder die persönliche Einstellung und Geschmack sollten nicht Anlass zu Verriss-Tiraden sein.

Vor allem: Welcher Rezensent weiß schon, was eine Band beim Schreiben ihrer Songs gedacht oder gefühlt hat, welche Intention dahintersteckt. Insofern sollte man sich mit beleidigenden Äußerungen auch ein wenig am Riemen reißen, wie der Turnschuh so schön zur Sandale zu sagen pflegt. Das ist eine Frage des Anstands, nicht des Jobs. Die Presse ist nicht der liebe Gott der Musikwelt, eine gewisse Verantwortung und Macht hat sie allerdings.

Doch die vielleicht aufgrund persönlichen Frusts ins Negative zu verkehren, ist doch auch doof. Thema Übersättigung: Diese Problematik ist auf jeden Fall gegeben, nur sind die Bands dran Schuld, wenn sie aus lauter Begeisterung ihren Idolen nacheifern und die Labels sich stets die gleichen Pferde mit anderen Sätteln in den Stall holen? In den ´70ern und `80ern war schon mal rein die spielerische und songwriterische Qualität im Durchschnitt niedriger. Durch diese Tatsache gab es eben ein paar Heroes und der Rest blieb bis heute zum Teil namenlos. Aber jene musikalische Qualität und auch die der Produktionen ist gestiegen, was eine Auswahl noch schwieriger macht und den Markt grösser erscheinen lässt als in den Jahrzehnten zuvor.

Dieses alte Fieber…

Aufgrund des nicht immer fließenden Geldes im Haushalt wird sich die Spreu immer vom Weizen trennen und dass diesem Faktum auch manche absolut geniale Bands zum Opfer fallen können, liegt auf der Hand. Aber dieses „Trennungsverfahren“ sollte man in erster Linie denen überlassen, die dieser Musik das Überleben erst ermöglichen. Vielleicht ist auch manch einer nach 20 Jahren im Business als Journalist/Redakteur einfach müde. In den `80ern, in denen Rockmusik noch blühte, war es sicher leichter, sich für neue Bands zu begeistert. Nur: Der Grund, weshalb sich manche diesem Job zuwandten, war sicher der Enthusiasmus für Bands wie Accept, Dokken, Iron Maiden… kurz:

Für Rock und Heavy in all seinen Schattierungen. Das Lebensgefühl, das einem diese Musik und Ära sicherlich gegeben haben, kann man auch in Zeiten von Nu Metal und anderen seltsam gearteten Varianten härterer Musik noch bewahren. In dem man sich, auch und gerade als Schreiberling, an die Tage zurückerinnert, in denen einen das Fieber gepackt hat – und daran, warum.

An dieser Stelle noch ein Klassiker für alle Rock-Begeiserten:

Saxon mit (Trommelwirbel): „Rock The Nations“

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