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Veröffentlicht am 03.01.2017 von Buch

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The Beach Boys

Mit ihrer Gründung im Jahre 1961 begann eine der faszinierendsten aber auch tragischsten Geschichten der Rockmusik. Sie prägten den Sound des sonnigen Kaliforniens der 1960er Jahre, deren „American Dream“ aus der Formel „Sommer, Sonne, Strand und Surfen“ bestand. Es gab damals noch kein Ozonloch und wer sich für leichte Frauen interessierte brauchte einen Hot Rod und eine gute Bräune.

In der Oberschülerwelt Kaliforniens drehte sich alles um Coca Cola, frische Luft und Cadillacs. Die Beach Boys erkennen früh den Vorteil mit purer Oberflächlichkeit Geld zu machen. Die adrett gekleideten Sunny-Boys sagten zu ihrer Zeit dem dreckigen Working-Class-Image der britischen Rockszene den Kampf an. Brian, Dennis und Carl Wilson wuchsen in einem trostlosem Vorort von Los Angeles auf. Der Vater ist ein Maschinenhändler, der selber gerne Musiker geworden wäre und seinen Söhnen am Klavier vorspielt. Er treibt seine Söhne an, Erfolg zu haben. Zuflucht finden die Brüder wie so viele Jugendliche in ihrer Gegend am 5 km entfernten Strand. Aus Ihnen werden Surfer. Carl Wilson beginnt mit vierzehn Jahren Gitarre zu spielen und schon bald musizieren die drei Brüder in gemeinsamen Vokal-Sessions, in denen sie dem „Close Harmony“ – Gesang der Four Freshman nacheifern. Schon bei den ersten Proben stößt ihr gemeinsamer Cousin Mike Love und Alan Jardine, ein Schulfreund Brians dazu. Gespielt wird anfänglich auf geliehenen Instrumenten. Erste Auftritte in der Highschool folgen. Nach einer aufwendigen Namensfindung nennen sie sich schließlich.

The Pendletones – Surfen als Markenzeichen

Um sich von den anderen Nachwuchsbands abzugrenzen suchte man ein Konzept, eine besondere Etikette. Dennis Wilson hatte dann die Idee, Songs über ihre Lieblingssportart, das Surfen zu schreiben. Seinen Brüdern gefiel die Idee. Beide begannen mit dem Text zu „Surfin´“. Schon bald wird der Song bei einer kleinen Schallplattenfirma in Hollywood vertont und die Wellenreiter-Hymne erscheint 1961 beim kleinen Candix-Label. Der Bandname wird unterdessen in The Beach Boys umbenannt. Ihr erster Auftritt in Long Beach überzeugt das junge Publikum durch geradlinige Rockrhythmen und den prägnanten nasalen Gesang der Jungs. An den Aufnahmen zu ihrer Debütsingle verdiente jedes Bandmitglied gerade mal 200 Dollar. Jardine beschließt aus der Band auszusteigen um Zahnmedizin zu studieren.

Rhythmus-Gitarrist David Marks springt für ihn ein. Brian spielt fortan die Bass-Gitarre, Mike konzentriert sich auf den Gesang und Dennis spielt das Schlagzeug. Der ehrgeizige Vater wittert den baldigen Erfolg der Band und übernimmt nach dem Zusammenbruch des Candix-Labels das Management der Beach Boys. Im Sommer 1962 handelt er einen Plattendeal mit Capitol Records aus. Im Mai 1963 landen die Beach Boys daraufhin mit „Surfin´ U.S.A.“ ihren ersten Top Ten-Hit. In hochfliegenden Vokalharmonien bejubeln die Frohnaturen die kalifornischen Prämissen: Surfing, Driving and Dating. In gerade mal 2 Jahren, vom November 1962 bis Dezember 1964 entstehen acht Alben der Beach Boys. Hits wie „Fun, Fun, Fun“ oder „I Get Around“ entstehen. Brian Wilson schreibt 63 der insgesamt 84 Songs.

Während die musikalischen Qualitäten der Band eher durchschnittlich sind haben v.a. Brian und Carl ein untrügliches Gespür für hypnotische Harmonien. Doch kaschiert Brian mit der Musik oft nur seine eigene Unsicherheit. Ab Ende 1964 leidet er unter regelmäßigen Nervenzusammenbrüchen. Auch mit dem Vater und Manager der Band gibt es zunehmend Probleme, so dass er 1965 aus der Band austritt. Mit schimmerndem Gitarrensound und weichen Vocals beherrscht das Quintett weiterhin die US-Charts.

Machtkampf mit den Beatles

Im Januar 1966 änderten die Beach Boys ihr Outfit und trugen nun brav gestreifte Hemden mit weißen Hosen. Zum Leidwesen des Vaters konvertierten sie zur Psychedelic Szene. Es wird das produktivste Jahr der Beach Boys. Mittlerweile haben aber auch die Beatles ihren Siegeszug in Amerika angetreten. „Pet Sounds“ wird ähnlich wie „Rubber Soul“ von den Beatles ein Konzeptalbum. Brian Wilson erklärte: „Ich behandle den Sound wie ein Gemälde, Instrumente wie Klangfarben“. In seiner introspektiven Struktur ist es vielen Fun-orientierten Kids jedoch zu komplex. Der Erfolg von „Pet Sounds“ hält sich in Grenzen und kann nicht mit dem Beatles-Erfolg „Revolver“ mithalten. Brian Wilson beginnt daraufhin mit der Arbeit an dem Song „Good Vibrations“. Diese zahlt sich aus, denn der Song wird ein Millionenseller, auch in Europa und das Magazin „New Musical Express“ betitelt die Beach Boys als die „beste Popgruppe der Welt“.

Doch damit hatte die Band ihren Zenit bereits überschritten. 1967 kommt die Hippie-Kultur auf und die harmlosen Wellenakrobaten werden zunehmend von einer Rockszene abgelehnt, die sie selbst mitbegründeten. Schon bald entstehen die ersten Zerwürfnisse innerhalb der Band. Brian Wilson hat zunehmend symphonische Ambitionen, während Mike Love weiter unbedarft übers Wellenreiten musizieren möchte. Brian steigert seinen Drogenkonsum immer mehr und kommt schon bald auf verrückte Ideen, wie zum Beispiel seinen Flügel in einen Sandkasten zu setzen, wegen der guten Vibes an den Zehen. Auch die anderen vier Bandmitglieder bekommen Probleme. Carl Wilson wird wegen Kriegsdienstverweigerung festgenommen und ein Auftritt auf dem Monterey International Pop Festival wird kurzerhand abgesagt.

„Smiley Smile“

Das nächste gemeinsame Werk sollte sich „Smiley Smile“ nennen und wird dicht gefolgt von „Wild Honey“ und „Friends“. Das frühere Charisma der Band scheint erloschen. Mike praktiziert jetzt Yoga und Brian schläft sehr gerne in seinem Bett. Für einen Auftritt als amerikanische Superband in der UDSSR reicht es aber noch. Auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Dennis Wilson und dem späteren Massenmörder Charles Manson entsteht. Immer mehr Fremdmaterial bestimmt nun die Songs der Beach Boys.

Nach zähen Verhandlungen wechseln sie schließlich die Plattenfirma. Der Vater verkauft alle Rechte der Kompositionen seines Sohnes Brian an den Verlag Irving /Almo und das Zerwürfnis mit seinen Söhnen verschärft sich. Doch die Beach Boys touren weiter und erlangen ihre Reputation zurück. „Surf´s Up“ erscheint 1971 und stellt die Renaissance der Band dar. Auf dem Album befinden sich auch Songs, die die zunehmende Umweltverschmutzung thematisieren. Damit sind die Beach Boys ihrer Zeit voraus, jedoch wirkt ihr plötzliches Engagement etwas gequält.

The Beach Boys heute

„Endless Summer“

Brian hat immer wieder Orientierungsschwierigkeiten, eröffnet für kurze Zeit einen eigenen Lebensmittelladen. Es folgt eine Zeit der Besetzungswechsel innerhalb der Band und Carl ist eine Zeitlang der einzige Wilson bei den Beach Boys. Der Vater und Manager Murry Wilson stirbt im April 1973. Die Wilson Brüder erscheinen zwar nicht bei seiner Beerdigung, sind trotzdem schwer vom Tod ihres Vaters getroffen. Dank Mike Love geschieht 1974 das Unmögliche: Das Album „Endless Summer“ spiegelt Sehnsüchte der amerikanischen Jugendkultur wieder und wird das zweite Nummer-Eins-Album der Band. Es hält sich 155 Wochen in den US-Charts. Nach einer umjubelten Tournee wählt das Rolling Stone-Magazin die Beach Boys zur „Gruppe des Jahres“.

Brians Zustand verschlechtert sich jedoch zunehmend aufgrund seines hohen Kokain-Konsums. Den beiden Alben „Spirit of Summer“ von 1975 und „15 Big Ones“ von 1976 merkt man das aber nicht an. Eine fragwürdige „Brian is back“-Kampagne führt den mittlerweile übergewichtigen Drogensüchtigen nur vor. Es folgen zwei weitere Alben bis 1978, die Brians Hang zu kindlicher Unschuld immer wieder aufleuchten lassen. Auch Carl Wilson hat Probleme und greift immer öfter zum Alkohol. Dennis produziert sein erstes Soloalbum. Trotz aller Unstimmigkeiten treten die Beach Boys vor einer halbe Million Menschen zum Independence Day in Washington D.C. auf. Dieser Auftritt wird auch in den darauffolgenden Jahren zum festen Bestandteil des Konzertkalenders der Band. Als das Programm drei Jahre später erneuert werden soll, setzt sich selbst der Präsident Reagen für die Band ein.

„Keeping The Summer Alive“

So unglücklich heißt das nächste schwache Album der Beach Boys. Im November 1982 wird der mittlerweile 320 Pfund schwere Brian Wilson aus der Band geworfen und zur Entgiftung in ein Krankenhaus eingeliefert. Im Dezember 1983 ertrinkt Dennis im Hafen von Marina Del Rey, nachdem er alkoholisiert tauchen wollte. Dieses Ereignis scheint Brian wachzurütteln und er beginnt wieder mit den Beach Boys auf der Bühne zu spielen. 1985 erscheint das Album „The Beach Boys“ und zeugt von einer funktionierenden Band. Auch Stevie Wonder und die 12-saitige Gitarre eines Roger McGuinn wirken auf dem Album mit. 1988 werden die Beach Boys in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Im selben Jahr erscheint Brian Wilsons erstes Soloalbum, welches auch Songzeilen seines Psychiaters enthält. Das Album wird von den Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt. Doch Brians Psyche spielt schon bald nicht mehr mit. Der Zwang immer neue Songs zu liefern und sich ständig selbst übertreffen zu müssen hat tiefe Spuren bei dem Sänger hinterlassen. Sein Psychiater wird schon bald verklagt, sich über Brian Wilson an den Beach Boys bereichert zu haben (er hat 5 Millionen Dollar für seine Therapiesitzungen erhalten). Ein weiteres hässliches Kapitel in der Geschichte der Band. Weitere Streitigkeiten um die Rechte zwischen Love und Brian Wilson folgen. Letzterer profitiert gesundheitlich von der Tatsache, dass sein Psychiater die Lizenz verloren hat.

„Summer in Paradise“

1993 erscheint das Album „„Summer in Paradise“. Brian Wilson veröffentlicht wenig später seine Autobiographie „Mein kalifornischer Alptraum“. Sein zweites Soloalbum von 1995 trägt den Titel „I Just Wasn´t Made Für These Times“. 1998 folgt sein drittes Album „Imagine“. Brian Wilson leidet an Wahnvorstellungen und Selbstzweifel. Dabei hält selbst ein Paul McCartney die Platte „Pet Sounds“ als Das Album der 1960er Jahre hoch. Die Beach Boys sind durch ihr ständiges Auf und Ab zugleich Botschafter des „American Dreams“ wie auch der „American Tragedy“.

photocredit: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Beach_Boys_Good_Vibrations_from_Central_Park_1971.jpg#filelinks

photocredit: By Louise Palanker [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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