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Veröffentlicht am 17.04.2016 von Josef Buch

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Spock’s Beard – eine Band im Parallel-Universum

Die kalifornische Band Spock’s Beard tickte schon immer nach ganz eigenen Regeln. Mitglieder quittieren den Dienst, aus mehr oder weniger religiösen Gründen und Schlagzeuger fangen plötzlich an zu singen. Kaum ein Album ohne Besetzungswechsel. Stilistisch sind sie unter dem Label „Progressive“ schnell abgespeist, denn wirklich scharf ist der Begriff ohnehin nicht definiert und dient nur dazu sie halbwegs einordnen zu können, ohne dass es damit wirklich getan wäre.

Der Bart wächst

Im Jahr 1992 in Los Angeles von den Brüdern Neal und Alan Morse gegründet trafen sie bei einer Session auf den Schlagzeuger Nick D’Virgilio. Sie erkannten schnell ihre gemeinsame Vorliebe für den progressive Rock. Ein Stil, der vor allem im London der 70er Jahre seinen ersten Höhepunkt feierte mit Bands wie Genesis, Yes, King Crimson oder Jethro Tull. Auch die frühen Queen oder Led Zeppelin waren maßgeblich geprägt von diesem Sound. Der eigentümliche Name Spock’s Beard entstand in Bezug auf eine Star-Trek-Folge in der Spock in einem anderen Parallel-Universum einen Bart besaß (orig. „Mirror, Mirror“). Ein feiner Sinn für Humor kam der Band auch später nie abhanden.

Vor der Bandgründung versuchte sich Neal Morse, Sohn eines Country-Musikers, in den 80ern in Nashville als traditioneller Songwriter. Daraus wurde zwar nichts aber der Einfluss war doch in seinen Songs stets präsent. Der Bassist Dave Meros, aus der Session-Szene L.A’s stammend, stoß 1993 hinzu und bald darauf auch Keyboarder Ryo Okumoto, nachdem dieser erste Aufnahmen des Debüts „Light“ hörte. Europa war das erste Publikum, das sie damit erreichten, obwohl es noch lange auf sich warten ließ bis sie dort spielten. 1996 brachten Spock’s Beard mit „Beware Of Darkness“ ein Album in nun kompletter Besetzung heraus. Es bescherte ihnen in der eingefleischten Prog-Community grenzüberschreitende Erfolge.

Albino, Christus, Genesis und „X“

Die folgenden Jahren waren von großem Schaffensdrang geprägt und es entstanden Werke von immer größerer Eigenständigkeit. Neal Morse erkannte das Potential der Stimme von Nick D’Virgilio und schrieb vermehrt für sie und setzte sie ganz gezielt ein. Damals ahnte noch niemand, dass es bald die einzige Stimme der Band sein würde.

1999 nach zwei Live-Alben erscheint als drittes Studiowerk „Day For Night“ and 2002 das Konzeptalbum „Snow“ über einen mit Superkräften ausgestatteter Albino. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Doch wirklich ungewöhnlich war der Schritt den Neal Morse 2002 machte. Er bekehrte sich zum Christentum und wollte von nun an auch musikalisch auf spirituellen Pfaden wandeln, was wohl mit zauberhaften Albino-Themen nicht vereinbar war und er stieg völlig unerwartet aus.

Von nun an tauschte Drummer Nick D’Virgilio zumindest live das Schlagzeug gegen das Mikro ein und war nun Frontmann der Band. Was einst bei ihren eigenen Vorbildern Genesis nach Peter Gabriel’s Ausstieg passierte, nämlich, dass der Schlagzeuger (Phil Collins) den neuen Sänger stellt, geschah jetzt auch bei ihnen. Für das Album „Feel Euphoria“ traten alle anderen Bandmitglieder als Songwriter in Erscheinung. Für Live-Gigs saß nun Jimmy Keegan an den Trommeln. Ihr Stil wurde auf den folgenden Alben immer eklektischer. Langatmige Progressive-Kompositionen wechseln ab mit Hardrock-Songs und Pop-Balladen.

Auf ihrem bislang letzten Album „X“ setzten sie auf eine Geschäftsidee die schon von anderen Kollegen praktiziert wurde. Fans machen eine langfristige Vorbestellung für das Album und finanzieren somit das ganze Projekt in der Entstehung. Stilistisch geht’s wieder zurück zu mehr Progressive-Rock. Nach der dazugehörigen Tour scheidet nun auch D‘Virgilio 2012 von der Band um sich vor allem dem Projekt „Cirque Du Soleils“ zu widmen. Keegan wird nun fest in die Band aufgenommen und mit neuem Sänger Ted Leonard wird nun eifrig weiter musiziert. In dieser Besetzung entstehen zwei weitere Studio-Alben und ein Live-Album. Sie beweisen auch in dieser Formation ein entschlossenes Ergebnis produzieren zu können. Aber weil es sich hier nicht um irgendeine Band handelt sonder um Spock’s Beard wurde bekannt gegeben, dass zumindest zeitweilig Neal Morse und Nick D’Virgilio für 2016 wieder mit an Board sind. Eben auch in Bezug auf ihre Besetzung-Philosophie sind sie durch und durch als progressiv zu bezeichnen.

photocredit: By Michael Hanselmann (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

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