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Veröffentlicht am 22.02.2017 von Buch

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Jeff Beck

„My home is my castle“. Dieses Sprichwort mag der Einsiedler Jeff Beck berücksichtigt haben, als er Mitte der 1970er ein 400 Jahre altes Tudor-Haus erwarb. Auf dem 80 Morgen großem Anwesen gibt es viel Wald, einen See und einen Fluss. Ganz der Frieden des Landlebens. „Wer einmal die Ruhe genossen hat, kann auf alle urbanen Reize verzichten“ so Jeff Beck.

Noch bis in die 1990er Jahre galt Jeff Beck, der einst Eric Clapton bei den Yardbirds ablöste, als der Top-Gitarrist – vor David Gilmour, Brian May oder Gary Moore. Gerade mal alle sechs Jahre bringt er ein neues Album heraus. Wie kam Jeff Beck also zu diesem hartnäckigen Ruf? Es liegt wahrscheinlich seiner Kompromisslosigkeit und Konsequenz, mit der Beck sein Instrument spielt. Man nennt ihn auch den „axe murderer“. Kaum ein anderer spielt die Grenzen auf dem Griffbrett derart aus, wie Jeff Beck. Egal ob als Feedback-Künstler bei den Yardbirds, als Brandstifter des Blues in der Jeff Beck Group mit Rod Stewart oder als Jazzrock-Virtuose zusammen mit Jan Hammer. Jeff Beck war seiner Zeit immer um ein paar Läufe auf dem Griffbrett voraus. Die Unberechenbarkeit seines Spiels gehört mittlerweile zu seinem Markenzeichen. Jeff Beck spielt um Barrieren zu überwinden.

Jugend

Als der damals Dreizehnjährige das Filmplakat zu „The Girl Can´t Help It“ sieht, ist es um ihn geschehen. Seitdem bestimmen die Rockrhythmen von Gene Vincent, Little Richard und Fats Domino die Tage und Nächte des jungen Jeff Beck. Besonders angetan zeigt er sich vom schnellen Finger-Picking des Gitarristen Cliff Gallup. Jeff Beck beginnt sich selbst eine Gitarre zu bauen. Er spannt Gummibänder über Zigarrenkisten. Doch die Mutter versucht es anfänglich lieber mit Klavier- und Geigenstunden. Jeff Beck rebelliert und hat schon bald seine erste E-Gitarre, deren Hals aber etwas zu lang ausfiel, wodurch die Bundreinheit nicht gegeben war. Die Deltones sind schon bald seine erste Band. Spätestens seit 1962 packt auch Jeff Beck das Blues-Fieber. B. B. King und ein Buddy Guy revolutionieren das Gitarrenspiel und wirken wie irdische Erlöser auf die Generation Clapton & Co.. Eric Clapton kündigt bei den Yardbirds. Jimmy Page soll engagiert werden.

Dieser gibt den freien Posten jedoch an Jeff Beck weiter. Die Yardbirds sind mit den Neuzugang sehr zufrieden, bringt dieser doch auf der Hitsingle „Heart Full Of Soul“ die Stahlsaiten seiner E-Gitarre wie bei einer indischen Sitar zum Singen. Auch experimentierte Jeff Beck mit arabischen Skalen und führte die Rückkopplung als integrales Element seiner Melodie-Findung ein. Nachdem die turbulenten Auftritte dem damaligen Bassisten zu viel werden steigt dieser aus der Band aus und für Beck geht ein Traum in Erfüllung. Seite an Seite spielt er nun mit Jimmy Page, der die vier Saiten übernimmt. Doch richtig spannend wurde es erst, wenn sich Page und Beck auf der E-Gitarre duellierten. Rückblickend zieht Beck jedoch eine nüchterne Billanz: Unser Sound war schrecklich damals, und wir waren wie unser Sound.

Die Supergroup

Um The Cream und der Jimmy Hendrix Experience Konkurrenz zu machen geht für Jeff Beck 1966 ein Traum in Erfüllung. Jimmy Page an der 12-saitigen Gitarre, John Paul Jones am Bass und Nicky Hopkins am Piano, sowie der genialisch verrückte The Who-Drummer Keith Moon an den Drums – in einem Studio. Leider zeugt nur ein einziger Titel von dieser Traumbesetzung.

Dafür avancierte „Becks Bolero“ zu einem echten Klassiker. Selbst ein Jimi Hendrix lernt von diesem Titel den Einsatz kontrollierter Rückkopplungen. Schon bald macht das turbulente Tour-Leben Jeff Beck zu schaffen. Er verlässt die Yardbirds inmitten einer US-Tournee und überlässt Jimmy Page die Position an der Leadgitarre. Nach ein paar harmlosen Nummern, wie auch einer unverzeihlicher Eurovisions-Schnulze namens „Love is blue“ geht Jeff Beck mit der Jeff Beck Group in die vollen und gestaltet den Blues Rock radikal neu.

Auflösung der Jeff Beck Group

Am Vorabend des legendären Woodstock-Festivals, für das die Jeff Beck Group fest gebucht war, löste Beck die Band auf. Später meinte Beck, dass diese Entscheidung richtig war, weil die Band total zerstritten war –auch wenn der Auftritt ihren Durchbruch bedeutet hätte. Wenig später hat der ambitionierte Hot Rod-Fan Beck einen folgenschweren Unfall, der ihm auch Jahre später noch bohrende Kopfschmerzen beschert. Erst 1979 kehrt Jeff Beck zurück und gründet eine zweite Jeff Beck Group. Ein Angebot der Rolling Stones, Mike Taylor an der Gitarre zu ersetzen lehnt Beck ab – mit der Begründung, dass sein Ego nach mehr als drei Akkorden verlangt. Jazzrock heißt das Gebot der Stunde und das von George Martin produzierte Blow by Blow(1975) setzt ganz neue Maßstäbe. Die turboschnellen Feuerwerke musikalischer Selbstbefriedigung sind jedoch meist nichts für das rockorientierte Publikum. In den 1980er und 1990er Jahren bringt Jeff Beck nur gelegentlich ein Album heraus. Jeff Beck wurde nie so gefeiert wie ein Jimmy Page oder Eric Clapton, ist durch seinen Einfluss auf den Jazzrock und die Fusion-Musik aber ein ebenso fester Bestandteil der Rockmusik. Für sein Schaffen erhielt er bereits 6 Grammys. Jeff Beck spielt fast ausschließlich Fender Stratocaster und benutzt seit den 1980er Jahren kein Plektrum mehr für sein virtuoses Spiel.

photocredit: By Mandy Hall (originally posted to Flickr as Jeff Beck) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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