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Veröffentlicht am 27.09.2015 von nemesis

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Interview Traumhaus

Mit deutschem Rock nach vorn

Dass man auch in der härteren Musik an deutschsprachigen Bands nicht mehr vorbeikommt, weiss man mittlerweile zur Genüge. Dass diese Combos allerdings auch mal sanftere und musikalisch ausgereiftere Töne an den Tag legen, ist nicht so oft der Fall. Mit Traumhaus ist eine junge deutsche Band am Start, die deutsche Lyrics gekonnt mit progressiven Klängen der Ecke Enchant, Eternity X und weniger bombastischen und metal-lastigen Symphony X verbinden. Und auch wenn sicher der eine oder andere gerade mit in dieser Rockrichtung nicht gerade auf die deutsche Sprache gefasst ist, scheint sich die Konsequenz von Traumhaus auszuzahlen.

„Bisher sind wir nur auf positive Reaktionen gestoßen und ich wüsste von niemanden, dass er sich daran stört, dass unsere Songs eben nicht auf Englisch verfasst sind. Wir gingen an unser Debut Traumhaus ohne jegliche Erwartungen heran. Nachdem wir in Angular Records einen Partner gefunden haben, hatten wir sicher ein gutes Gefühl, doch bisher läuft es sogar noch ein Stückchen besser für uns. Bevor sich dieser Deal ergab, haben wir versucht, zwei Songs bei anderen Labels unterzubringen, doch dort hieß es, wir seien zu unkommerziell“, erzählt Sänger/Pianist Alexander Weyland.

Raus aus dem Schubladen-Denken

Obwohl man es mit der Verwendung der deutschen Sprache dem einheimischen Publikum ein wenig leichter macht, stellt sich dennoch die Frage, ob der normale Deutschrock-Hörer nicht ein wenig mit dem Sound des Vierers überfordert ist. Viele verstehen unter Deutschrock immer noch Rammstein, In Extremo und die Onkelz, wenn man sich an der Sprache aufhängen kann, braucht man schließlich keine stilistischen Unterscheidungen mehr. Und ob die Mucke dann auch wirklich Rock ist oder nicht, ist eh wurscht.
„Ich denke, wer sich bewusst für diese Musikrichtung, in unserem Falle also für progressiven Sound, entscheidet, wird sich auch unsere Platte bei Gefallen zulegen. Wer unter Deutschrock wirklich alles zusammenschustert, was Gitarren und deutsche Lyrics hat, wird wohl mit unserer Mucke allein nicht weit kommen. Sicher wäre es schön, wenn auch solche Hörer die Mühe und die Details unseres Material würdigen könnten.“ Wer ´ne Platte nur wegen der Texte gut findet, kann sich auch, mit Verlaub, einfach ein Buch kaufen.

Vielseitige Themen

Von nicht übersetzten Werken eines Ernest Hemingway würde ich in diesem Fall allerdings abraten. Oder man kann versuchen, als Konsument auch ein wenig zu wachsen, denn die bei Traumhaus vorhandene Einheit aus Texten und musikalischer Atmosphäre ist es allemal wert, sich damit zu beschäftigen, und so kann man auch durch die Lyrics einen Einstieg zur Musik finden. „Wir haben einige Themen im Gepäck, mit denen sich nicht jede Band beschäftigt, wie etwa sexuellen Missbrauch in dem Song „Ausgeliefert“. Sieht man einmal von diesem Stück ab, kann man als Hörer in jeden Song etwas von sich selbst hineininterpretieren“, fasst der angehende Diplom Pädagoge zusammen.

Tabus brechen

„Ich habe mich in einigen Seminaren mit dem Thema des Missbrauchs auseinandergesetzt, mir auch einen Artikel im Stern vorgenommen, der aus der Sicht eines missbrauchten Kindes erzählt.

Der Text zu „Ausgeliefert“ ist ähnlich aufgebaut. Ich bin der Meinung, dass man sich daher auch gut damit identifizieren kann und man die reale Thematik dahinter erkennt.“ Wie der Sänger zudem anmerkt, ist diese Problematik auch weiter verbreitet, als man manchmal denken mag. Sexueller Missbrauch ist, besonders wenn es kleine Kinder betrifft, immer noch eine Sache, die man vielleicht gern totschweigen möchte, weil´s dem normalen Menschenverstand einfach zu widerwärtig ist.

„Wir möchten mit diesem Song sicher auch auf dieses Problem hinweisen – ich finde wirklich, dass es nach wie vor zu sehr tabuisiert wird. Man will nicht, dass dieses Problem existiert, also verleugnet man es am liebsten. Mir persönlich geht dieses Thema auch sehr nahe, auch wenn ich nicht zu den Betroffenen zähle. Ich kenne allerdings einige Fälle in meiner Umgebung. Der Song war sicher auch für mich ein Stück Verarbeitung.“

photocredit: https://www.facebook.com/traumhausband/photos

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