Interviews

Veröffentlicht am 11.02.2016 von nemesis

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Interview Saxon

Was dem einen vielleicht wie eine aufregende und unterhaltsame Sache erscheint, kann für den nächsten schon wieder in einem kleinen Nervenkrieg enden. Genau das dürfte in etwa auf die deutsche PopKomm zutreffen, bei der es jedes Jahr besonders wieder die Künstler mit aktuellen Platten erwischt, die dann an den wenigen Tagen geduldig Stunde um Stunde Interviews geben dürfen bis ihnen die Fragen wieder zu den Ohren rauskommen. Gelegenheit macht Diebe und größere Veranstaltungen eben viele Schreiberlinge, ob nun face to face oder am Telefon.

Im Gespräch zu Killing Ground

Auch Saxon´s Biff Byford erwischte es eines Jahres und angesichts der Platte Killing Ground dürfte das auch kein Wunder sein. Ein kleines bisschen weniger düster als der Vorgänger Metalhead und doch mit den bekannten Trademarks der Band versehen, sollte sich dieser Silberling schnell in die Herzen der Fans katapultieren. Nicht nur wegen der feinen Coverversion von King Crimson´s “Court Of The Crimson King”.

Viele Leute wussten bis zu den Interviews nicht mal, dass es sich hier um einen Coversong handelt

„Viele Leute wussten bis zu den Interviews nicht mal, dass es sich hier um einen Coversong handelt. Allerdings ist das auch nachzuvollziehen, da es hier besonders um jüngere Hörer handelt, die das Original meist gar nicht mehr kennen. Das war allerdings nur ein Grund, weshalb wir uns für diesen Song entschieden haben. Zum einen ist es einfach ein cooles Stück und zum anderen kam uns die Gitarrenführung sehr gelegen und die Jungs haben auch was wirklich Tolles draus gemacht“, erläutert Biff die Entscheidung.

Auch Rock-Heroen dürfen covern

Normalerweise scheint es aber mehr den Nachwuchscombos vorenthalten zu sein, Coversongs auf ein Album, bevorzugt das Debüt zu packen, um sich vielleicht auch mal so schneller einen Namen zu machen. „Ja, sieht manchmal so aus“, lachte der Sänger. „Ich finde das auch legitim. Wir wollten dem Original Tribut zollen.“ Einen Namen brauchen sich wohl auch Saxon nicht mehr zu machen.

Einen Namen brauchen sich wohl auch Saxon nicht mehr zu machen

Schon beim diesjährigen Wacken Open Air konnte man sich einmal mehr davon überzeugen, dass Saxon noch lang nicht durch sind mit ihrem Programm und neben den typischen Elementen auch mit immer neuer Frische begeistern „Ich finde, in der Musik macht es immer die Mischung. Ein richtiger Fan will nicht immer dasselbe Genudel hören. Besonders, wenn man als Künstler schon länger dabei ist, muss man sich auch darum bemühen, weiterzugehen. Man kann nicht immer wieder die gleiche aufgewärmte Suppe präsentieren. Es ist eine Frage der Balance, denn auch ein zuviel an neuen Elementen kann tödlich sein, wie schon viele Bands bewiesen haben.

„Battering Ram“

Zeitlos, zeitloser, Saxon

Trotz mancher kleinen Neuerungen finden sich auf Killing Ground doch immer noch eine Menge Parallelen zu dem, was die Hörer von Saxon gewohnt sind. Unterm Strich gibt es alles einfach nur Saxon, die nicht wie angestaubte Retro-Hardrocker klingen, sondern es nach wie locker mit den Jungspunden der Szene aufnehmen können.

„Trotz all der Konzerte und Festivals in unserer Laufbahn ist es doch immer wieder was Neues. Gerade dieses Mal wurde Wacken zu einen sehr emotionalen Erlebnis. Wir haben uns ja das alte Eagle-Equipment und die Bühnenshow geschnappt – und ich denke, dass nicht nur bei uns eine Menge Erinnerungen hochkamen. Im Oktober werden wir in Großbritannien mit der Tour starten.“

Im Oktober werden wir in Großbritannien mit der Tour starten

Wie die kleinen Kinder

Während es andere Größen des Genres nicht für nötig befinden, regelmäßig Alben herauszubringen, auf Tour zu gehen oder geschweige denn, jedes Jahr auf einem anderen Festival für die Fans präsent zu sein, legen sich Saxon hier nach wie vor gewaltig ins Zeug. „Jede Band, egal welchen Status sie hat, muss viel touren. Das macht einen großen Teil des Erfolges aus. Man kann nicht nur mit Platten erfolgreich sein. Irgendwann vergessen die Leute die Platte, weil die Band vielleicht durch den fehlenden Live-Kontakt gar nicht richtig real ist für sie. Für Bands wie Bon Jovi ist es natürlich einfach ständig unterwegs zu sein: Die Jungs haben eine Menge Songs im petto, die fast jedes kleine Kind kennt. Wir müssen halt immer neue Stücke schreiben“, blitzte ein bisschen britischer Humor durch.

Neben neuen Stücken sollte die erste Auflage von Killing Ground‘auch eine Bonus-CD enthalten, auf der ältere Songs wie „Crusader“, „And The Band Played On“, „Heavy Metal Thunder“ oder auch ‚Power & The Glory‘ in neuem Gewande zu hören sein werden. Ist diese erste Auflage von 30.000 Stück futsch sein, gibt es die Bonus-CD immer noch extra zu erstehen. „Wir dachten, das wäre besonders für die Fans und die Radiostationen interessant.

Es gibt all die Songs mit einer besseren Aufnahmequalität. Wir hatten diese Idee schon länger im Hinterstübchen und die Umsetzung hat auch eine Menge Spaß gemacht.“ Und über die schöne Regelmäßigkeit, in der Saxon ihre Fans bedienen, gab Biff gleich hintendran noch einen Kommentar ab: „Was Saxon betrifft, findet zur Zeit ein ziemliches Revival statt. Da kann man das alles einfach nicht schleifen lassen. Wir werden uns auf jeden Fall nicht auf unseren Lorbeeren und dem Erfolg vergangener Tage ausruhen, faul in der Ecke hocken und selbstzufrieden grinsen.“

„Rock The Nations“

Mal wieder ein Tritt in den musikalischen Hintern nötig?

Ob man den Titel der Platte, Killing Ground, auch um drei Ecken rum ein bisschen auf die Situation im Insel-Königreich und die sich dort bietenden Möglichkeiten für anständige Musik beziehen kann, sei mal dahingestellt. So ganz fern liegt der Gedanke aber nicht. „England ist ganz nett“, gab sich Biff süffisant-diplomatisch. „Vielleicht würde es an der Szene wirklich was ändern, wenn die ‚alten‘ britischen Bands wieder auf ganzer Ebene so richtig durchstarten könnten.“

Betrachtet man sich die Entwicklung Britanniens, entsteht allerdings leicht der Eindruck, dort drüben wäre man in erster Linie scharf drauf, als erster den nächsten Trend zu präsentieren. Als Heavy Metal und Hardrock so richtig im Kommen waren, ließ es die Engländer auch nicht kalt, im Gegenteil. Und während Helloween dort, auch heute noch, riesig angesagt sind, fanden Gamma Ray ‚neue‘ Band des Mitbegründers von Helloween, also Kai Hansen, bei Weitem nicht denselben Zuspruch, was schon ein bisschen merkwürdig anmutet. Nun, Ende der `80er war wohl die Heavy-Welle schon wieder zu sehr am Abflauen und man wandte sich neuen musikalischen Ufern zu.

Trendsetterei

„Ja, der Eindruck könnte leicht entstehen. Viele sind besonders von der Medienlandschaft hier sehr enttäuscht. Die ganzen UK-Mags featuren in erster Linie nur noch diesen Nu Metal-Kram. Die Fans für Heavy Metal und Hardrock wären schon da, so ist es nicht. Doch die Medien bitten ihnen nicht gerade die Möglichkeit, sich richtig integriert zu fühlen. Und wie eigentlich die ganze Musikszene der Briten zum Großteils Trends folgt, tun es eben auch Bands. Den oftmals richten sich neue Combos und Künstler sehr danach, was zu diesem Zeitpunkt im eigenen Lande in ist. Und am Ende klingt fast alles wieder gleich.“

„Broken Heroes“

Was den Markt der Chart- und Popularmusik angeht, leider wahr. Nur stinkt es den Fans nun mal eben gewaltig, wen sich auch noch die eigenen Faves solch billigen Entwicklungen unterwerfen. „Ganz klar, nur seien wir mal ehrlich: Bon Jovi, um das Beispiel von vorhin aufzugreifen, machen nun mal gute Radiosongs. Und sie werden sich nie in Sodom verwandeln, auch wenn sie sich ihren Roots wieder nähern würden. Doch bietet der Heavy Metal-Markt etwas, was wir dem AOR-Bereich voraushaben: Im härteren Rockbereich kann man sich verändern, entwickeln und wachsen. Im mainstreamigen Melodic Rock-Bereich dreht sich seit Beginn alles um DEN einen Song mit dem perfekten Chorus, dem Soli nach dem zweiten Chorus und stets einen ähnlichen Schema. Wir nehmen diese Herausforderung, uns zu entwickeln, auch weiterhin liebend gern an.“

Besetzung:

Gesang: Peter „Biff“ Byford
Bass: Tim „Nibbs“ Carter
Gitarre: Doug Scarratt
Gitarre: Paul Quinn
Schlagzeug: Nigel Glockler

Alben:

Saxon
Wheels of Steel
Strong Arm of the Law
Denim and Leather
Power and the Glory
Crusader
Innocence Is No
Rock the
Destiny
Solid Ball of
Forever Free
Dogs of War
Unleash the
Metalhead
Killing Ground
Lionheart
The Inner
Into the
Call to Arms
Sacrifice

Aktuelle Platte:

Battering Ram

 

photocredit: By Markus Rantala (Makele-90) (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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