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Veröffentlicht am 24.06.2016 von Buch

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BAP – Ein kölsche Original

BAP gehören zu Köln wie Udo Lindenberg zu Hamburg. Mit dem spröden Charme der Straße auf der einen, mit tanzbaren vom Herzschmerz getriebenen Rocksongs auf der anderen Seite. Jedoch beides immer mit einem Schuss Rebellion. So wurden BAP in den 1980er Jahren über Nacht zu Stars. Vor der Neuen Deutschen Welle gab es nur wenige Bands die Ihre Texte auf Deutsch schrieben. Kraftwerk oder Tangerine Dream gehörten bis dato zu den wenigen Bands, die ihre deutschsprachige Musik „exportieren“ konnten. Schon mit dreizehn Jahren spielte Wolfgang Niedecken in seiner ersten Schülerband namens „The Convicts“ (Die Strafgefangenen). Doch bevor Niedecken die ersten kölsche Lieder sang sollten noch ein paar Jahre vergehen.

Niedecken studiert Malerei an der Freien Hochschule für Bildende Künste in Köln und legt die Gitarre beiseite. Erst als er 1976 Hans „Honce“ Heres während seines Zivildienstes kennenlernt beginnt Niederecken wieder zu musizieren. Beide gründen die Band BAP, was soviel wie Papa oder Vater heißt. Wolfgang und Manfred Boecker, Wolfgang Klever und Bernd Odenthal stoßen wenig später zur Band dazu. Im Kölner Raum häufen sich bald die Auftritte von BAP: Sie spielen an Schulen, für Bürgerinitiativen und in kleineren Clubs. Als Klaus „Major Healy“ Heuser den Gitarristen Hans Heres ablöst, steigert sich der Bekanntheitsgrad von BAP rapide. Nun spielen zunehmend auch Konzerte über die Grenzen Kölns hinaus.

Erstes Album 1980

„Affjetaut“ wird in Kirchberg in der Schweiz aufgenommen und ist 1980 das erste fertige Album der Band. Die Tourneen werden daraufhin größer und aufwendiger: Wolfgang Klever und Bernd Odenthal verlassen BAP. Das Debütalbum floppt, aber Niedecken gibt nicht auf und sucht nach neuen Mitmusikern, die mit Leib und Seele dabei sind. Steve Borg wird neuer Bassist und der Soundmixer Hans „Fonz“ Wollrath wird ebenfalls fester Bestandteil der Band. BAP gelten in Köln mittlerweile als Lokalmatadore. Ihre Platten bleiben jedoch ohne größere Beachtung. Das Alternativlabel „Eigelstein“ schafft es nicht die Aufnahmen gewinnbringend zu vermarkten. BAP wechselt zu EMI und Alexander „Effendi“ Büschel gibt sein Maschinenbaustudium auf um neuer Keyboarder der Band zu werden.

Zweites Album 1981

„usszeschnigge“ wird im Wipppenholmer Studio Rüssmann aufgenommen und wird die erfolgreichste LP der Band. In ganz Deutschland werden die Songs wie „Südstadt verzäll nix“, „Müsli Man“ oder „Frau ich freu mich“ bekannt. Das Musik-Express Magazin urteilt damals über Niedecken: Die Texte sind zwar politisch, aber undogmatisch und befinden sich nicht auf einer geistigen Einbahnstraße. Die erste große Deutschlandtournee folgt und Roland „Balou“ Timme wird der Manager von BAP. Auftritte vor 300.000 Demonstranten gegen das Nato-Gipfeltreffen in Bonn und als Vorband von den Rolling Stones folgen. „usszeschnigge“ landet auf Platz Eins der Albumcharts und wird 1982 vom eigenen Nachfolger „Vun drinne noh drusse“ verdrängt. Mit dem Song „Kristallnaach“ hält die musikalische Aufarbeitung des Nationalsozialismus Einzug in die deutsche Rockmusik. BAP touren nun schon durch ganz Mitteleuropa. Die Arbeit am neuen Album beginnt: „Bess demnähx“ wird 1983 in Norddeutschland aufgenommen. Niedecken ist es sehr wichtig, dass die Fans seine Texte auch verstehen und fügt den Alben sogar Übersetzungen ins Hochdeutsch bei.

Die geplatzte DDR-Tournee

BAP ist auch über die innerdeutsche Grenze beliebt und die Band plant eine erste DDR-Tournee. Nachdem Parteifunktionäre der SED die Texte als unbedenklich einstufen bleibt BAP freie Wahl bei Ihren Songs. Der Longplayer „Vun drinne noh drusse“ erscheint nun auch in Ostdeutschland und ist innerhalb weniger Tage ausverkauft. Doch dann kommt es zum Eklat. Für die Tournee komponieren BAP einen neuen Song namens „Deshalv spille mer he“ in dem es um kalte Krieger in Ost und West geht. Die Organisatoren eines Festivals verbieten BAP den neuen Song zu spielen. Diese wollen sich aber nicht den Mund verbieten lassen und sagen darauf hin die komplette DDR-Tournee ab. Wolfgang Niedecken ist mittlerweile zum populärsten Kölner neben Heinrich Böll avanciert. Gemeinsam setzen Sie die WDR-Dokumentation „Kölner Erinnerungen aus 40 Jahren“ um.

„Ahl Männer, aalglatt“

1986 erscheint eine neue Platte von BAP mit Namen „Ahl Männer, aalglatt“. Doch schon bald verdichten sich Spannungen innerhalb der Band und Niedecken und Heuser beschließen BAP für eine Weile auf Eis zu legen. Heuser geht nach Los Angeles und Niedecken nimmt 1987 sein erstes Soloalbum namens „Schlagzeiten“ auf. Doch schon bald raufen sich BAP für eine China-Tournee wieder zusammen. 1988 erscheint ein weiteres Album, namens „Da Capo“. Die Single „Fortsetzung Folgt“ wird zum größten Hit der Band. Zudem engagiert sich die Band in politischen Fragen und demonstriert Zivilcourage. Zusammen mit der Band Can und Zeltinger planen Sie ein Aktionskonzert gegen den wachsenden Fremdenhass in Deutschland. 1993 ein weiteres Album namens „Pik Siebbe“. Doch die Schwierigkeiten innerhalb der Band werden größer, auch wenn diese als „Die Sieben Hühnchen“ Spaßkonzerte geben. Niedecken nimmt 1995 sein zweites Soloalbum „Leopardefell“ auf. Auf dem Album verleiht er Songs von Bob Dylan ein neues Gewand. Der gab sogar die Zustimmung zu der rheinischen Variante seiner Lieder. „Ohne den Meister wäre ich nie auf die Idee gekommen, einmal selbst Profi-Musiker zu werden“ so Niedecken einmal über Dylan.

Bundesverdienstkreuz für Niedecken

Für sein Engagement gegen Rechts und seine zahlreichen anderen Aktivitäten erhält Niedecken vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz. Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Band erscheint 1999 die LP „Comics & Pin Ups“. Weitere Mitglieder verlassen die Band. Niedecken gibt nicht auf und produziert noch im selben Jahr ein weiteres Album mit neuen Musikern.
Bis heute ist BAP aktiv. Wolfgang Niedecken ist das einzig erhaltene Gründungsmitglied der Band. Bis heute spielten um die 20 Musiker in der Band in ständig neuen Besetzungen. Am 15. Januar 2016 erschien anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens ein neues Album namens „Lebenslänglich“ und ist mittlerweile das 18. Studioalbum der Band.

photocredit: By Hans-Georg Krumm (hgkrumm@aol.com); original uploader was Sir James [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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