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Veröffentlicht am 04.04.2016 von nemesis

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Ayreon

Langweilige Leute, die nette Musik machen

Was es mit der Überschrift auf sich hat, werdet ihr noch im Laufe dieses Portrait mitbekommen. Was es allerdings mit den beiden CDs von Ayreon, Universal Migrator Part I. The Dream Sequenzer und Universal Migrator Part II. Flight Of Migrator auf sich hatte, ist hoffentlich schon geläufig. Während andere Leute manchmal Jahre brauchen, um auch nur eine Scheibe fertig zu stellen, haute uns Arjen Lucassen (u.a. Ex-Vengeance) mit seinem Projekt alle naselang was um die Ohren. Sage und schreibe acht hochkarätige Releases seit 1996, davon mit The Electric Castle eine Doppel-CD und hier in diesem Fall gleich zwei auf einen Schlag.

„Sicher hätte ich das Ganze auch als Doppel-CD machen können, doch zum einen wollte ich selbst mal ausloten, welche Fanschicht denn nun überwiegt: Die, die auf softeren und atmosphärischen Sound stehen oder die Heavy-Freaks. Aus diesem Grund sind die beiden CD auch stilistisch recht unterschiedlich. Teil eins ist eher getragen, während die zweite CD mehr in die Vollen geht.“ Hat man sich schon einmal mit mehr als nur einem Song des Wunderknaben beschäftigt, hört man aber an jeder Stelle heraus, wer diese Songs geschrieben hat.

„The Sixth Extinction“

Nur die Fans als Grund, live zu spielen

„Ehrlich gesagt, dachte ich, dass die Resonanzen auf die härtere Platte besser ausfallen. Aber es hält sich erstaunlicherweise die Waage und manche Leute, von denen ich dachte, ihnen würde das flottere Teil besser gefallen, sagen mir, sie würden den ersten Teil bevorzugen. So kann es gehen. Die Leute sollten einfach die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, was ihnen an Ayreon besser gefällt“, kommt die verschmitzte Antwort. Wobei der Gute mit den Antworten gar nicht richtig nachkommt. „Ich bekomme so viele e-Mails von Fans, dass ich sie gar nicht alle beantworten kann. Es ist super, derart viel Feedback zu bekommen, aber ich hoffe, es ist niemand böse, wenn es mit der Antwort mal länger dauert. Überhaupt wären die Fans für mich der einzige Grund, wieder einmal live zu spielen.“

Eine interessante Angelegenheit wäre das sicher, wobei sich aber bei den Gastmusikern, die sich Arjen jedes Mal holt, doch die eine oder andere terminliche Schwierigkeit einstellen würde. Bruce Dickinson, Timo Kotipelto, Ralph Scheepers, Lana Lane, Andi Deris, Erik Norlander, Floor Jansen,……..und noch hunderttausend Musiker mehr wirken auf den beiden neuen Platten mit. „Es wäre ein riesiger organisatorischer Aufwand, der betrieben werden müsste. Außerdem sehe ich es mittlerweile als Zeitverschwendung, auf Tour zu gehen. In der Zeit, in der man auf den Konzertbeginn wartet, im Bus sitzt und auf die nächste Stadt wartet, könnte man auch kreativ sein und neue Songs schreiben. Daher nutze ich die Zeit lieber fürs Songwriting anstatt mich von einer Halle in die nächste zu schubbeln. Ich kann in meinem eigenen Studio in Ruhe arbeiten.

Meine Texte sind Müll

udem bin ich nicht der Typ, der viele verschiedene Ideen hat und es fällt mir nicht so leicht, Songs zu schreiben wie zum Beispiel den Genies von Spock´s Beard. Ich muss sehr viel und sehr harte Arbeit investieren, um auch nur ein Album fertig zu bekommen. Außerdem bin ich ziemlicher Perfektionist und es gibt nicht viele Songs von Ayreon, die ich nicht mag, was aber nur meine persönliche Meinung ist. Wäre schlimm, wenn man die eigenen Lieder nicht mögen würde. Was ich allerdings nicht verstehe, ist die Tatsache, dass die Leute meine Texte gut finden.“ Wie meinen? „Meine Texte sind Müll und unzusammenhängende Wörter. Okay, sie lassen den Hörer die Möglichkeit, dadurch die eigene Phantasie mit ins Spiel zu bringen, aber rein nur durch meine Texte versteht doch kein Mensch worum es geht.

„Computer Eyes“

Der Witz an der Sache ist, dass bei Lyrics, die klar verständlich formuliert sind und einen erklärten Sinn ergeben, als schlecht seitens der Presse bezeichnet werden. Eigentlich sollten doch Texte, bei denen man nicht erst herumrätseln muss, was dahintersteckt, die positivere Wertung abbekommen.“ Arjen versteht also die Welt nicht mehr. Und ich ehrlich gesagt auch nicht, als ich ihm erkläre, dass es doch einige Leutchen gibt, für die er schlicht ein kleines Genie ist.

Als Musiker auch die Nase über den Tellerrand strecken

Auch wenn es keine perfekten Alben gibt. Und bei beiden sagt er nichts mehr ohne seinen Anwalt. Naja fast. Er leugnet einfach. „Ich bin kein Genie, ich nur ein langweiliger Typ, der nette Musik macht. Und perfekte Alben gibt es schon. Wish You Were Here von Pink Floyd finde ich perfekt oder auch Rainbow Rising von Rainbow. Das sind meine Lieblingsalben, und die hätte man nicht besser machen können. Ich finde auch den Rainbow-Song Stargazer supergut, den Dio gesungen hat. Ich habe ihn mal mit Lana Lane gecovert, aber ich denke, die Version kam nur als Bonus-Track auf die Japan-Veröffentlichung.“ Also einer der musikalischen Zeitgenossen, die sich neben den eigenen Tätigkeiten auch noch mit dem Gewerkel andere Bands beschäftigen. „Ich finde es schade, wenn sich als Musiker nicht mehr mit anderen Bands auseinander setzt. Okay, man ist relativ beschäftigt und ich muss zugeben, früher war ich auch so.

„The Black Hole“

Man wollte gar keine andere Combo hören, aus Angst, die könnte besser sein als man selbst. Heute freue ich mich wie ein Schnitzel, wenn ich eine klasse Band höre. Ich denke allerdings, man sollte sich nicht von neuen Dingen, die man hört, zu sehr leiten lassen und seinen eigenen Weg verlassen. Man sieht es immer wieder: Geht man heute mit dem Trend, ist man morgen vergessen. Europe zum Beispiel: Klar, es macht jetzt die Runde, dass sich die Jungs wieder zusammentun wollen, aber wirbelt das irgendwie Staub auf? Nach den paar grossen Hits, die sie hatten , sind die Jungs zum Großteil von der Bildfläche und aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Was ich ja lustig finde, ist dieses True Metal-Zeugs. Rhapsody sind derart kitschig, aber andererseits einfach verdammt gut, dass es nicht zu fassen ist.

Ein Trekki

Man kann sie für die ganzen Klischees nicht einmal auslachen, weil sie ihre Sache so überzeugend bringen und einem gleich den Wind aus den Segeln nehmen. So einem Reiz kann man sich nur schwer entziehen. Allein die schmachtvollen Orchester-Parts und Fabio´s unglaubliches Vibrato in der Stimme. They are over the top“, schwärmt Arjen drauf los. Und plabbert gleich weiter, dass es ihm hundefurzegal ist, welche Band welchen Stil verkörpert, solange ihm das ganze nur gefällt. „Ich weiß nicht einmal wie man das nennt, was ich mache. Manche nennen es Progressive, was ich echt cool finde, denn das zeigt mir, dass ich doch einigermaßen in die Richtung komme, in die ich möchte.“ Zumindest weiß er aber, dass er ein großer Star-Trek-Fan ist und die Story zu den beiden CDs just fantasy ist. „Würde ich es als meine persönliche Einstellung sehen, würde ich mir damit anmassen, eine Beschreibung von Gott vom Stapel zu lassen, und das kann ich nun wirklich nicht bringen.

Die Story, wobei man auch in dieser Hinsicht die beiden CDs auch getrennt voneinander sehen kann, ist reine Fiction. Die wissenschaftlichen Daten, wie zum Beispiel die Namen mancher Planeten, habe ich aber nachgelesen und mich sehr mit der Arbeit von Stephen Hawkins beschäftigt. Dieser Mann ist ein Genie, aber leider todkrank. Es hat fast den Anschein, als würde intelligenter werden je kränker er wird.“ Ein komisches Gefühl, diese Meinung von zwei verschiedenen Leuten bezüglich verschiedener Menschen zu hören, aber was Wahres ist schon dran. „Ich denke, dass diese Menschen einfach einen Blick fürs Wesentliche entwickeln und sich nicht mehr jedem Kinkerlitzchen widmen.“

Ayreon ist ein Projekt von Arjen Lucassen mit… unzählig vielen, wechselnden Musikern. Eine Line-up-Aufzählung würde an dieser Stelle den Rahmen mehr als sprengen.

„Into The Electric Castle“

Studioalben:

The Final Experiment
Actual Fantasy
Into the Electric Castle
Universal Migrator Part 1: The Dream Sequencer
Universal Migrator Part 2: Flight of the Migrator
The Human Equation
01011001

Aktuelle Platte:

The Theory of Everything

Kompilationen:

Ayreonauts Only (Demos, Alternativ-Versionen, Outtakes)
Timeline (Compilation)

Singles und EPs:

Sail Away to Avalon
The Stranger from Within
Temple of the Cat
Day Eleven: Love
Day Sixteen: Loser
Come Back to Me
Elected (EP) (Ayreon vs. Avantasia)

photocredit: By paranoide0 from (optional) (Flickr) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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